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Ich
bin am 13. Juni 1953 in Olmütz geboren. Olmütz
ist eine gemütliche alte Stadt in Mähren,
mit vielen krummen Gassen, geheimnisvollen Ecken und
Innenhöfen und vielen netten Leuten. Die nettesten
von allen waren wahrscheinlich meine Großmutter
und meine Urgroßmutter, die mich meine drei
ersten Jahre erzogen und verwöhnten. Dann musste
ich nach Prag zu meinem Vater und meiner Mutter, die
mich nicht verwöhnten, aber nicht weniger liebten.
Meine Mutter liebt mich immer noch. Mein Vater ist
gestorben, als ich 17 war und er fehlt mir bis heute.
Manchmal erzähle ich ihm vor dem Einschlafen
etwas Lustiges, was ihm gefallen würde. Er liebte
lustige Geschichten und konnte solche auch wunderbar
erzählen - er war ein Schriftsteller. Das ist
vielleicht der Grund, warum auch ich Schriftstellerin
geworden bin. |
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| 2004,
aus dem Brief für die Schulkinder in Wallenstein |
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Iva Procházková - eine Handvoll Daten |
| 1953 |
geboren in Olmütz (Tschechoslowakei)
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| 1972 |
Abitur in Prag
kein weiteres Studium aus politischen Gründen möglich
(Vater Jan Procházka war einer der intellektuellen
Führer des "Prager Frühlings") |
| 1975 |
das erste Theaterstück in
Nejedly Theater in Prag auf die Bühne
gebracht, wurde vom damaligen Bürgermeister aus
politischen Gründen verboten |
| 1976-83 |
weitere Theaterstücke,
die nur ausserhalb Prag aufgeführt werden durften |
| 1983 |
Emigration nach Österreich |
| 1984 |
Theaterstück "Die Witwe des
Dichters" im Rahmen Europaforums in
Alpbach aufgeführt |
| 1986-88 |
Konstanz, Zusammenarbeit mit dem
Jugendtheater Schlauer Kater |
| 1988 |
Umzug nach Bremen, Arbeit u.a.
mit dem Theater für Kinder "Im Packhaus" |
| 1989 |
Deutscher Jugendliteraturpreis |
| 1990 |
Anfang der Zusammenarbeit mit
dem CT (Tschechisches Fernsehen) |
| ab 1984 |
Veröffentlichungen bei
verschiedenen deutschen Kinder- und
Jugendbuchverlagen |
| 1995 |
Rückkehr nach Prag |
| 1998-2001 |
Chefredakteurin für Kinder,
Jugend, Familie und Produzentin
beim CT (öffentlich-rechtliches Tschechisches
Fernsehen) |
| ab 2001 |
freie Schriftstellerin und Drehbuchautorin
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Die Kindheitserinnerungen, oder
das, was ich für Erinnerungen halte, bilden einen
großen Teil meines Schreibprozesses. Einige
ganz bewusst, andere unterschwellig.
Als ich die Vorbereitungen für meine ersten Geschichten
traf, war die eigene Kindheit gar nicht so weit entfernt.
Ich konnte damals die einzelnen Ereignisse noch ausgesprochen
plastisch vor meinen Augen sehen und sogar das Echo
der konkreten Sätze, die dabei ausgesprochen
wurden, hörte ich noch sehr deutlich. Das führte
dazu, dass ich ganze Situationen fast ohne Änderung
nahm und ins Literarische übertrug. Ein Beispiel
dafür ist das Kapitel Beim Chinesen gibt¥s
Fische oder Das Martinsessen und ebenfalls
Fünfzig Kilo - Kleinigkeit aus meinem Buch
Wer spinnt denn da? Unsere Eltern
haben uns tatsächlich in der Zeit des kommunistischen
Regimes ab und zu in ein gutes (und damals ziemlich
teures) Restaurant genommen, damit wir uns den alltäglichen
totalitären Geschmack verbesserten und wieder
Lust kriegten (natürlich spreche ich da nicht,
oder nicht nur übers Lust aufs Essen). Genauso
war es mit unserer Sehnsucht nach dem Leben auf dem
Land, wo wir bei jeder Gelegenheit hinflüchteten,
obwohl - oder gerade deshalb weil - wir wussten, dass
die Eltern wegen ihrer Arbeit die Stadt nicht verlassen
konnten. Zu meiner Beschämung muss ich zugeben,
dass die Geschichte mit gestohlenen Kastanien auch
authentisch war.
Im Buch Der Sommer hat
Eselsohren arbeite ich mit einer anderen
Art der Erinnerungen. Ich mische meine eigenen Erlebnisse
mit denen von meiner Mutter, die als Mädchen
in einem kleinen Dorf wohnte und wirklich einen Esel
besaß. Sie erzählte mir so oft von seinen
dummen und lustigen Streichen, die ihre Kindheit begleiteten,
dass ich allmählich das Gefühl gewann, das
alles selbst erlebt zu haben. In der Figur der Pragerin
Johanka habe ich meine Beziehung zur freien Natur,
zur tschechischen Landschaft ausgedrückt - dasselbe
wiederhole ich, nur noch viel stärker in Entführung
nach Hause. |
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Für
die Ausstellung in der Stadtbüchrei Rüsselsheim,
September 2005 |
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Copyright Iva Procházková 2006-2007
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