Väter und Bastarde

Väter und Bastarde

Väter und Bastarde

Verlag Paseka 2007

Der Titel des Manuskripts deutet es schon an: Es geht um Kinder und ihre Väter, die sie nicht gezeugt haben, es geht um das Trauma der Kinder, die ihre richtigen Väter nicht kennen oder gar nicht wissen, dass nicht ihre biologischen Väter sie großgezogen haben. Es fängt schon bei Max an. Nicht der Mann seiner Mutter ist sein Vater, sondern der Klavierlehrer aus dem ersten Stock, dessen Witwe die besagte Hausmeisterin ist und die auch darüber Bescheid weiß, dass Max der Sohn ihres verstorbenen Mannes ist. Doch von all dem ahnt Max nichts. Ähnlich verhält es sich mit Marlen: Ihr Vater weiß, dass seine Frau ihn häufig betrogen hat und dass aus einem Verhältnis Marlen entstanden ist. Er ist ihr trotzdem immer ein guter Vater, bis zu seinem Tod. Und wie auch schon Max erfährt es Marlen nie. Der dritte mit einem ähnlichen Schicksal ist Josef, der seinen vermeintlichen Vater nie kennen lernte, weil dieser bereits vor seiner Geburt gestorben war. Aber nach jener Nacht mit drei Männern ist sich Marlen ohnehin nicht sicher, wer Josefs Vater ist.

Entsprechend dazu hat die Autorin der Geschichte eine Weisheit vorangestellt:

Jeder Mensch hat zwei grundlegende Ungewissheiten: den Vater und die Mutter. Sie begleiten ihn sein Leben lang, manche können sich selbst nach dem Tod auf sie verlassen.

Dieses Buch ist keine moralische Anklage gegenüber untreuen Frauen (auch wenn sie diejenigen sind, die hier ihre Männer betrügen und mit mehreren Männern gleichzeitig Sex haben). Der Schwerpunkt liegt vielmehr in den psychischen Konflikten, die vielleicht infolge dessen entstehen, sowohl bei den Frauen/Müttern und Männern/Vätern als auch bei den Kindern, die sich dann im erwachsenen Alter – womöglich aufgrund der unbewussten Konflikte – mit dem Alleinsein, aber auch mit Partnerschaften schwer tun.

Marcela Euler

Ein Reigen von Schicksalen, die einander berühren und von der Autorin gekonnt verknüpft werden. Procházková wechselt in größeren Abschnitten zwischen den Perspektiven der Figuren hin und her, jeweils in personaler Erzählweise. Im Mittelpunkt stehen Marlen und Max, und so handelt es sich nicht zuletzt um eine Liebesgeschichte. Szenen und Dialoge sind dabei so verfasst, dass man sich das Ganze auch gut als Film vorstellen könnte.

Sophia Marzolff

Iva Procházkovás neue Roman Väter und Bastarde ist ein hinreißendes Buch über die Suche nach der Vergangenheit und derer Fehlern, über das Verstehen und Überwinden der traumatischen Erfahrungen der Kindheit, kaputten Beziehungen und scheinbar zufälligen Situationen im Leben. Gleichfalls erzählt es von der Sehnsucht nach der Nähe und dem inneren Gleichgewicht. Wer Procházkováas kinder- und jugendliterarische Werke kennt, weiß, dass die Autorin sich sehr oft an neue, brisante Themen heranwagt.

In Väter und Bastarde, einem Prag-Roman, erzählt Procházková die Geschichte mehreren Figuren, derer Leben sugestiv vom schwindenden Familienbewusstsein und dem sich verlierenden Sicherheitsgefühl aussagen. Macht das Sinn nach der Familienanamnese zu suchen? Ist es nich einfacher im eigenen Schneckenhaus zu sitzen zu bleiben und die Vergangenheit schlafen zu lassen? Die Struktur der zeitgenössischen Familienbeziehungen verwandelt sich, und Iva Prochazkova nimmt Stellung dazu mittels einer originellen Geschichte.

Jana Čeňková

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