Wer spinnt denn da?

Wer spinnt denn da?

Wer spinnt denn da?

Frantischek und Sophie, zwei aufgeweckte, selbständige Geschwister, leben in Prag. Der Vater ist ein freizügiger, liebenswerter Lehrer, die Mutter eine mehr oder weniger talentierte Schauspielerin. Frantischek erzählt witzig und humorvoll vom Alltag und den Kinderstreichen: Von ihrem heimlichen Verkauf der Bilder ihres Onkels, vom Kastanienklauen, vom gebrochenen Arm Sophies und ihrer Irrfahrt zum Spital.
Eine nicht alltägliche Familiengeschichte mit viel Situationskomik und turbulenten Ereignissen. Verständnisvolle Eltern, liebevolle Geschwisterbeziehung und kinderfreundliche Helfer in der großen Stadt lassen die einfallsreichen Aktionen jeweils gut enden. Fröhliche, spannende und unterhaltsame Geschichte.

Schweizer Bibliotheksdienst, Bern

Thienemanns Verlag 1991, illustriert von Rosi Vogel

Auf dem Rathausplatz waren die Laternen shon an, und viele Leute machten Einkäufe. Sie drängten in die Geschäfte und zurück auf den Bürgersteig. Ich ließ mich vom angenehmen Gefühl des Freitagabends durchfluten und lächelte etwas dümmlich, wie immer, wenn ich mich wohlfühle. Sophie hüpfte neben mir her.
“Wieviel Geld hast du dabei?”, fragte sie. Als ob sie nicht wüßte, daß Papa uns immer einen 10-Kronen-Schein daläßt. “Wir könnten uns Lakritzschlangen kaufen.”
Wir gingen also in ein Süßwarengeschäft und kauften Lakritzschlangen. Die Verkäuferin wog sie für uns ab, und als ich ihr das Geld gab, sagte sie: “Ihr seid heute mal wieder allein, was? Da haut ihr euch bestimmt wieder den Bauch voll damit!”
“Nee. Tun wir nicht. Wir wollten uns gerade etwas Anständiges zum Essen kaufen, nicht wahr?” Ich stupste Sophie an. Die nickte eifrig und wollte sich die Schlange in den Mund stopfen. Ich nahm sie ihr ab und steckte sie unter meine Jacke.
“Erst nach dem Essen”, sagte ich streng. Damit die Verkäuferin merkte, daß ich es ernst meinte.
Wir aßen die Schlangen erst auf der Straße.
“Und jetzt?”, fragte ich.
Wir standen genau an der Ecke vor dem Delikatessengeschäft. Durch die Fenster konnten wir die Leute sehen, die allerlei Leckerbissen in sich reinschaufelten.
“Sollen wir da mal gucken?”
Sophie nickte flink. Vielleicht hatte sie nach dem Auftritt im Süßwarenladen gedacht, daß ich jetzt Kartoffeln zum Abendessen kaufen wollte. Wir gingen in das Geschäft, und als wir uns an der Theke entlangschoben, vermengten sich all die Gerüche so in unserer Nase, daß wir nicht länger widerstehen konnten.
“Hundert Gramm Fischsalat”, schlug Sophie vor. “Und Palatschinken. Ach nein, lieber Krapfen.”
“Und Stinkkäse!”
“Mainzer!”
Milch verwarfen wir einvernehmlich, weil wir die Woche über genug davon kriegen und Sophie denkt, daß sie davon zu schnell erwachsen wird. Jeden Tag kontrolliert sie vor dem Spiegel ihre Brüste, ob sie nicht größer sind als die der anderen Mädchen in der Klasse, und vor Papa versteckt sie sich, damit er sie nicht nackt sieht.

ein Ausschnitt aus dem Buch

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