Der Sommer hat Eselsohren

Der Sommer hat Eselsohren

Der Sommer hat Eselsohren

Dusan wird bald elf. Ihm geht es gut in dem kleinen Dorf, besonders natürlich in der Ferienzeit. Bloss die Mutter ist ein bisschen zu streng, meint Dusan. Kein Wunder, dass sie gleich gegen den Amos ist – schließlich hat er ihren Blumengarten kahlgefressen. Amos ist nämlich ein Esel, ein sehr störrischer zudem. Dusan hat ihn vom Großvater geerbt. Und mit Amos sieht die Welt ganz herrlich aus. Dusan Feriensommer hat übrigens nicht nur “Eselsohren” – auf einmal gibt es da noch dieses rotzfreche Mädchen aus Prag, die Johanka! Sie hat lauter verrückte Einfälle. Eigentlich geht nichts mehr ohne Johanka. Die gemeinsame Flucht mit Amos, das ist schließlich auch ihr Einfall. Viel passiert in diesem Sommer! Und natürlich ist es schlimm, wenn man seinen geliebten Esel verliert. Glücklicherweise ist noch Dusans Vater da…

Beltz und Gelberg Verlag, 1984, illustriert von Svend Otto S.

“Warte doch!”, ruft Dusan noch einmal und rennt zu ihr hinüber. “Sitzt du auf deinen Ohren? Du hast etwas bei mir gut!” Johanka bleibt stehen, wartet, bis er sie einholt. “Was denn?”, fragt sie. Mit leichtem Gähnen, damit er nicht glaubt, dass sie ganz wild darauf ist. Dusan reicht ihr ein Röhrchen mit sauren Bonbons. “Für die gestrigen”, sagt er. “Es sind nur Drops. Aber mit Orangengeschmack.” “Danke.” Johanka nimmt die Bonbons und wirft sie in die Tasche. Dann macht sie sich wieder auf den Weg. Der Junge geht neben ihr. “Du kommst aus Prag, wie?” “Warum?” “Das sieht man gleich.” “So? Und woran denn, du Schlaumeier?” “Na, eine Prager Rührmichnichtan.” “Pah!”, schnaubt Johanka verächtlich.” Und geht sofort zum Angriff über. Obwohl sie ihn gerade noch über Amos ausfragen wollte. “Mit Dorflümmeln geb ich mich nicht ab.” “Die Prager Gören sind Ziegen”, gibt Dusan zurück. Er setzt eine erfahrene Miene auf. “Davon hab ich schon jede Menge gesehen!” “Wieso läufst du mir dann nach?” “Niemand läuft dir nach. Ich gehe nach Hause. Was kann ich dafür, dass du dich an mich gehängt hast?” “Wer hat sich da an wen gehängt?” Seine Frechheit bringt Johanka in Harnisch, in ihrer Aufregung fängt sie an zu stottern. “Dies hier ist zufällig mei… mein Weg! Du kannst ja einen anderen nehmen!” “Keine Lust.” Johanka bleibt stehen. Dusan hält auch an, grinst ihr ins Gesicht. “Was stehst du da herum!”, fährt sie ihn an. “Bei wem bist du zu Besuch?” “Das geht dich nichts an!” “Ich find´s ohnehin heraus!” “Das möchte ich aber sehen!” “Ziege!” “Dorflümmel!” “Alle Mädchen aus Prag haben schlechte Zähne.” “Was faselst du da? Meine Zähne sind in Ordnung!” “Zeig mal.” “Fällt mir nicht ein.” “Weil sie schlecht sind!” Johanka fletscht die Zähne. Und rennt los. Dusan hinter ihr her. “Hast du dir zufällig in die Hose gemacht?”, schreit er. “Du rennst, als hättest du die Hose voll!”

ein Ausschnitt aus dem Buch, übersetzt von Teresa Sedmidubska

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